Auf nach Zypern! (Fortsetzung)

Seeburg19

Jetzt bin ich schon 6 Wochen hier…und wollte schon lange über die Fahrt berichten…

Nach einer langen Fahrt mit Auto und Anhänger durch den Balkan endlich auf Zypern angekommen… Deutschland den Rücken gekehrt, allein die 320 Sonnentage machen den größten Unterschied. Das Leben ist hier deutlich entspannter und angenehmer, man wird nicht mit Mülltrennung genervt, Bürokraten gibts hier zwar auch, aber ihre Chancen, einem das Leben schwer zu machen, sind entschieden geringer.. Grüne findet man gar nicht. Trotzdem ist es ziemlich sauber auf den Straßen. LIDL und IKEA gibts hier auch, was will man mehr.

Immer frisches Obst und Gemüse aus heimischer Produktion, damit ist auch die vernünftige Ernährung gesichert, an jeder Strasse gibts kleine Buden, die den ganzen Tag und die ganze Woche aufhaben und das verkaufen, was gerade Saison hat. Beispiel gefällig? Frische Kartoffeln das ganze Jahr über für € 0,20… frische Tomaten, die mit der richtigen Sonne: € 0,50. Gurken, Zwiebeln, Kräuter, Salat in -zig Variationen… einfach Klasse. Die Einzelhandelsstruktur ist anders als in Deutschland. Man findet die unglaublichsten Sachen in den unglaublichsten Läden.

Generell läuft es aber so: wenn man was Bestimmtes sucht, fragt man jemand. Der kennt garantiert einen, der einen kennt, der weiss, wo es genau das gibt , was man sucht. Und wenn nicht der, dann der Nächste. Vergeblich sucht man hier : Hinweisschilder. Man berichtete mir, dass sich hier alles per Mundprogaganda herumspricht. So kam es dann, dass ich einen Samstag nach einem Trödelmarkt gesucht und den natürlich nicht gefunden habe . Auf meine Nachfrage an der Stelle, wo der Markt viele Jahre war, an einen Passanten, wo der Markt denn sei, kam die Antwort, der Neue wäre 10km weiter umgezogen. Hingefahren- und : der nette Passant meinte einen Supermarkt.

Leider gibts hier keine Thairestaurants, das größte Manko… Dafür umso mehr Strand und Meer . Man kann eben nicht alles haben ;-). Die Leute sind nett, kaum Kriminalität (ha, die Ganoven müssten ja einfliegen oder mit der einzigen Autofähre einschwimmen) und das Leben ist sicher, fast alle sprechen Englisch und man kann sich excellent verständigen.

Wertsachen am Strand geklaut? Hab ich noch nie von gehört…Okay, draussen auf dem Wasser läßt der Türkenadolf wegen Gas und Öl die Muskeln spielen, aber was das bedeutet, wissen wir ja alle: großes Maul, nichts dahinter.

Jedenfalls hab ich die Entscheidung bis heute nicht bereut und die Weihnachtsmärkte sind kein Argument, in Deutschland zu bleiben. Wer das nachmachen und mit eigenem Auto nach Zypern kommen will, muss ein paar Regeln beachten. Ich bin von D über Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Griechenland bis nach Lavrio (kleiner Hafen in der Nähe von Athen) gefahren und dann auf das einzige noch verbliebene Schiff, mit dem Autos und LKW übersetzen können, Kabine inclusive). Ich hatte bei einer englischen Firma gebucht, der Service war okay und es klappte alles wunderbar. Es bei Salamis selbst zu versuchen mit der Buchung ist aussichtslos, die antworten nicht mal auf die Mail.

Sollte eine solche Tour noch mal anfallen, werde ich auf KEINEN Fall durch den Balkan und auch nicht durch Griechenland fahren, die Maut in allen diesen Staaten hat mich auch dazu bewogen, eine Maut für Ausländer in D mittlerweile gut zu finden. Alles zusammen mit Österreich sind bestimmt über € 300 draufgegangen für alle Plaketten, Transitpapiere (Serbien, die größten Gangster, 160€ für ein Stück Papier) und Zahlhäuschen. Da wäre eine Schiffsfahrt von Ancona nach Athen vermutlich weit entspannter gewesen. Richtig spannend wirds dann, wenn man in Limassol landet. Direkt aus dem Hafen raus ist nicht. Erst auf den Agenten warten, dann eine Ochsentour zur Grenzpolizei, denn der Pass wird bei der Ankunft auf dem Schiff einkassiert, den Pass abholen. Danach zum Zoll, die Genehmigung zum 3 monatigen Verbleib des Autos abholen. Kann auch auf 6 Monate verlängert werden, nach nochmaliger Vorsprache beim Zoll. Man sollte meinen, daß das in den heutigen EU-Zeiten kein Thema mehr wäre. Aber, wie sagte die etwas sauertöpfisch wirkende Staatsbedienstete beim Zoll: „Here on Cyprus , we have different laws.“ Nun denn, endlich die Bescheinigungen incl. Hafenausfahrtspapier bekommen, konnte ich nach hause fahren… Witzigerweise hat die Herrschaften der Inhalt meines Anhängers nicht im Mindesten interessiert. Ladepapiere waren vorhanden, ich hatte vorher in Paderborn beim Zoll ein T2L-Ladepapier ausgefüllt (mit angehängter Ladeliste) und abstempeln lassen und das wurde in Limassol ohne Murren akzeptiert. Man sollte vorsichtshalber das Ding auch noch mal kopieren lassen, dann ist alles okay, dasselbe gilt auch für Container mit persönlichen Gegenständen.

Alles war heile angekommen, trotz schlechter Straßen in Griechenland und die mitgenommenen Musikboxen haben es auch ohne Schäden überstanden…Jetzt freu ich mich über anhaltende 24 Grad und das Richtung Weihnachten…

Im Großen und Ganzen war der Trip ein echtes Abenteuer (teuer noch dazu) und es hat nicht nur Spaß gemacht. Aber ich werde entschädigt durch die oben angeführten Vorteile… Hab mich mittlerweile gut eingelebt und kann mich vor Einladungen zum Weihnachtsessen nicht retten. Allerdings: die Gans ist hier als Weihnachtsessen nicht populär. Doch auch hier hilft LIDL, sie haben welche in der Truhe. Immerhin besser als nichts. Ich werd mich revanchieren und ne echte deutsche Weihnachtsgans auf Zypern brutzeln. Knödel hab ich in weiser Voraussicht von zuhause mitgebracht. Bin gespannt, wie der Vogel ankommt…

Echte Weihnachtsbäume sind hier absolute Mangelware. Man bevorzugt den Baum aus Kunststoff. Wahlweise in Weiss (wegen dem aufgesprühten Schnee) oder in Dunkelgrün. Vorzugsweise kommt das Gehölz in Plastik aus China und ist viele Jahre ohne Nadelei einsatzfähig. Meine Geschäftsidee mit dem Container voller echter Tannen hat vermutlich keine Aussicht auf Erfolg, weil ne Plastiktanne nun mal pflegeleichter ist als ne echte. Richtig heftig (kitschig) sind hier die Weihnachtsdekorationen. Ab Mitte November springen ganze Supermarktbesatzungen mit Nikolausmützen zwangsweise im Laden herum, die Kunststoff-Weihnachtsmänner in allen Variationen sind Legion und das Schlimmste : Wham und die anderen meistgehassten Weihnachtsklassiker dudeln einem mit konsequenter Penetranz von morgens bis abends an sämtlichen Orten mit Publikumsverkehr um die Ohren. Ich hoffe, daß diese akustische Umweltverschmutzung ( die mir auch den Einkauf von egal, was konsequent vergällt), spätestens am 26.12. Geschichte ist. An der Straßenbeleuchtung wurde ebenfalls nicht gespart. Im Gegensatz zu Deutschland wird auch gerne auf grelle LED-Technik nicht verzichtet. Es gibt sogar Weihnachtsmärkte hier, die sich allerdings sehr klein anfühlen. Einen Weihnachtsmarkt hab ich erlebt, für den in Nikosia extra eine Strasse  gesperrt wurde. (Fortsetzung folgt)